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17.02.2012: Forschendes Lernen: Vier neue Projekte werden gefördert

Vorurteile bei Schülern abbauen, realistische Baupläne machen, in Archive der Kirche blicken Rektoratsprogramm der RUB fördert innovative Lehrformen. Dass es sich allein aus Büchern nicht gut lernt, weiß jeder aus eigener Erfahrung. Am besten klappt es, wenn man ausprobieren, aktiv sein, eigenständig arbeiten kann. Genau das ist Grundlage der Lehrprojekte, die im Rektoratsprogramm "Forschendes Lernen" an der RUB gefördert werden. Vier neue Projekte starten demnächst: Psychologiestudierende erforschen, wie Kinder lernen, sich in andere hineinzuversetzen, und entwickeln Unterrichtsmodule, um Vorurteile bei Schülern abzubauen. Angehende Bauingenieure lernen realistische Bauprojekte zu planen bis hin zur Auftragsvergabe. Theologiestudierende erhalten Einblicke in die Archive der Katholischen Kirche und erforschen die Entwicklung des Katholizismus im Ruhrgebiet zwischen 1945 und 1980.

Kinder wissenschaftlich fundiert früh fördern

Um den vierten Geburtstag herum entwickeln Kinder die Fähigkeit, die Sichtweise einer anderen Person zu begreifen, auch wenn die eigene Sichtweise eine andere ist. Verzögert sich die Entwicklung dieser Perspektivübernahme, kann es zu Konflikten kommen, möglicherweise sogar zu psychischen Störungen. Ein frühes, spielerisches Training kann sinnvoll sein, um die Fähigkeit zur Perspektivübernahme zu fördern. Da eine wissenschaftlich fundierte Frühförderung ebenso notwendig wie selten ist, sollen die Studierenden im Seminar grundlegende Fähigkeiten erwerben, den Entwicklungsstand der Kinder in einem Bereich zu testen, zu trainieren und zu überprüfen, ob das Training erfolgreich war. Im ersten Abschnitt des Seminars erarbeiten die Studenten die theoretischen Grundlagen. Im zweiten Teil entwickeln sie eine Forschungsfrage und ein Studiendesign. Im dritten Teil wird die Durchführung der Tests und des Trainings geübt. Im vierten Teil führen die Studierenden das Training mit Kindern im Vorschulalter durch. Dazu werden Bochumer Kinder mit ihren Eltern zu einem Besuch an die Ruhr-Universität eingeladen.

Gegen Vorurteile bei Grundschülern

Ein weiteres Seminar in der Psychologie widmet sich der Vermeidung von Vorurteilen bei Grundschülern. Nach einer eingehenden Literaturrecherche entwickeln die Studierenden Module zur Antidiskriminierung. Im Anschluss daran werden die Module in der Praxis erprobt und schließlich gemäß wissenschaftlichen Standards evaluiert. Kleingruppen setzen sich jeweils mit einem spezifischen Typ von Vorurteilen auseinander, wie z.B. Vorurteile gegenüber fremden Kulturen, gegenüber Männer und Frauen, gegenüber übergewichtigen Personen oder Personen bestimmter Altersgruppen. Ziel des Seminars ist die Konzeption der Module sowie ihre empirische Evaluation. Das Seminarkonzept zielt darauf ab, den Studierenden fachliche Kompetenzen, interdisziplinäre Fähigkeiten, Selbstständigkeit, wissenschaftliches Arbeiten, Gemeinschaftlichkeit und Präsentationsfähigkeit zu vermitteln. Bauplanung - transparent und realistisch

Interaktiv und multimedial sollen Studierende der Bau- und Umweltingenieurwissenschaften an einem realitätsnahen Projekt die Grundlagen des Baubetriebs und der Bauverfahrenstechnik lernen. Das Projekt behandelt die Planung für ein Bauwerk des Infrastrukturbaus, welches zum Beispiel an das Entwicklungsprogramm "Campus der Zukunft" der Ruhr-Universität angelehnt werden könnte, und schließt mit der Vergabe des Bauauftrags ab. Die Studierenden nehmen in dem Projekt in Gruppen verschiedene Positionen der an der Planung Beteiligten ein. Dabei fließen wissenschaftliche Methoden aus den Forschungsschwerpunkten des baubetrieblichen Prozessmanagements, der Entscheidungstheorien im Infrastrukturbau, der Risikomodellierung und der Lebenszykluskostenanalyse ein, die für eine transparente Gestaltung eines Projektes gegenüber verschiedenen Projektparteien und der Öffentlichkeit eingesetzt werden sollen.

Originalquellen zur Geschichte des Katholizismus im Ruhrgebiet

Studierende der Katholischen Theologie sollen den selbstständigen Umgang mit Quellen zum Ruhrgebietskatholizismus erproben. Die zu untersuchenden Quellen sind dabei noch nicht im Forschungsdiskurs bekannt und liegen noch nicht editiert, sondern nur im Original vor. Nach einer Einführung bilden die Studierenden Kleingruppen, um einen Quellenbestand (Akten, Protokollbuch etc.) auf eine gemeinsam mit den Dozenten entwickelte historische Frage hin zu analysieren. Dazu besuchen sie Archive entweder auf Pfarrei- oder Bistumsebene. Am Ende des Semesters werden die einzelnen Teams in einer abschließenden Blockphase dem Seminar und interessierten Gemeindevertretern ihre Antworten präsentieren.

Zukunftskonzept Lehre

Ziel für die Bachelor-Studiengänge ist es, dass Studierende neben aktuellem Fachwissen vor allem Urteilskraft, Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein und eine Wertschätzung für andere Disziplinen erwerben. Deshalb hat die RUB das Prinzip des Forschenden Lernens in ihrem Zukunftskonzept Lehre verankert. Es fördert über einen problemorientierten Zugang die Neugier durch eigene Forschung oder Mitwirkung an Projekten. So sollen die Studierenden praktisch mit wissenschaftlichen Arbeits- und Denkweisen vertraut werden. In der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden ist forschendes Lernen in disziplinäre und interdisziplinäre Diskurse eingebunden, die kritisch-konstruktiv dazu beitragen, das individuelle Wissen in einen Gesamtzusammenhang zu setzen, zu erweitern, zu bestätigen bzw. zu korrigieren.

http://www.ruhr-uni-bochum.de/studium/lehre-an-der-rub/foerderprogramme/ forschendes-lernen/index.html

 Quelle: Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum