Schabelon, Thorsten: Vom Pfirsichkorbballspiel zur Unterhaltungsindustrie : Sport und Medien am Beispiel der US National Basketball Association (NBA) / Thorsten Schabelon
Mit einem Geleitwort von Gerhard Hufnagel. - Taunusstein : Driesen, 2. Aufl. 2009 (Driesen Medienwissenschaften). - 131 S. ; 19 cm. Zugl.: Siegen, Universität, Diplomarbeit, 2004. ISBN 978-3-86866-027-2 Softcover, 21,00 Euro. Als Sport-Ikone Michael Jordan im Februar 2003 seine Karriere als aktiver Sportler endgültig beendete, verfolgten dies über eine Milliarde Menschen in 212 Ländern am Fernsehschirm. Basketball hatte damit seit seiner Erfindung als einfaches Pfirsichkorbballspiel im Jahr 1891 eine Entwicklung zur weltweiten Sportart Nummer zwei vollzogen, von der ihr Begründer, Dr. James Naismith nicht zu träumen gewagt hätte. Dem Leitmedium Fernsehen ist ein erheblicher Anteil am Publikumserfolg dieser Sportart beizumessen. Thorsten Schabelon untersucht die ökonomisch lukrative Beziehung zwischen Medien und Sport und stellt die Interdependenzen zwischen dem US-amerikanischen Fernsehmarkt und der historischen Entwicklung der Profibasketball Liga dar. Der Autor fokussiert dabei auf Liga-Organisation, Liga-Struktur und Regulierungsmechanismen, die wirtschaftliche Parität und sportliche Ausgeglichenheit unterstützen sowie ökonomische Verwertbarkeit sichern. Der Autor: Jahrgang 1973; Studium der Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung an der Universität Siegen; Diplom-Medienwirt. Thorsten Schabelon arbeitet als Journalist mit Themenschwerpunkt Sport für verschiedene Printmedien, u. a. für 11Freunde, die Westfälische Rundschau, die taz, die Frankfurter Rundschau, die Stuttgarter Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, und den Weser-Kurier
Geleitwort
Wenn Michael Jordan zum Korb strebt und dies in Millionen von Wohnstuben und Bars im Fernsehen übertragen wird, erfährt die amerikanische Nation sich selbst - ähnlich beim Superbowl im Football oder den World Series im Baseball. Sport und Massenmedien spiegeln und prägen die moderne Lebenswelt, deren Wertmuster und Rationalisierungsstrategien: Freiheit und Gleichheit wie technische Berechenbarkeit und individuelles Nutzenkalkül. Besonders in den USA. In seiner Untersuchung des organisierten Basketball, wie er von der National Basketball Association (NBA) betrieben wird, erkennt Thorsten Schabelon ein Beispiel für die "symbiotische" Beziehung zwischen Sport, Medien, Ökonomie und Politik, zwischen Kultur und Kommerz. Er skizziert die Entwicklung zum heutigen Profi-Sport, der von einem rigorosen Leistungsprinzip beherrscht wird, das auch die moderne Arbeitswelt regiert. Sport, besonders Basketball, ist soziologisch ambivalent: Er dient als Abwechslung und Ausbruch aus der Routine der industriellen Arbeitsmonotonie, doch gleichzeitig wird das Erlebnis der Unberechenbarkeit und Spontaneität bewusst inszeniert und vermarktet. Nicht die ungebundene anarchische Freiheit im Spiel ist das Ziel, sondern der scharf kalkulierte Profit. Im modernen Sport wird der lange Prozess der Zivilisation weitergetrieben, indem die unmittelbare, brutale Gewaltsamkeit der Menschen untereinander rituell formalisiert, und so zurückgenommen und eingehegt wird. Manche Soziologen preisen den modernen Sport als "umfassenden Wert- und Sinnvermittler", als "zentrale Quelle für Identifikation, Sinn und Gratifikation mit quasireligiöser Bedeutung". Unser Autor neigt auch zu solch hymnischer Wertung. Doch die positive Grundierung trübt nicht den klaren analytischen Blick auf die durchdringende Kommerzialisierung des Basketballs im Wechselspiel, besser: Wechselgeschäft mit der Medienindustrie. Mit leitmotivischer Hartnäckigkeit wird herausgearbeitet, wie eng die verantwortlichen Funktionäre den Basketballsport an ökonomischen Erfordernissen ausrichteten, um im Wettbewerb mit den anderen Sportarten auf dem hart umkämpften Fernsehmarkt bestehen zu können. Die Spielregeln wurden ständig den übertragungstechnischen Möglichkeiten und programmstrategischen Konzepten der großen TV-Networks angepasst, während diese fast ausschließlich nur auf Zuschauergewohnheiten und Werbeeinnahmen achteten. Während Football zu kompliziert und Baseball zu langsam erschien, konnte Basketball als rasantes, auf wenige Spieler fixiertes und unkompliziertes Spiel entwickelt werden, das dank neuer Aufnahmetechniken und spezieller Sendeformate zunehmend im Fernsehen übertragen wurde. Die immer wieder angepassten Regeln sollten das Spiel vor allem schnell und abwechslungsreich machen, um so in rasanter medialer Vermittlung das Erlebnis von Geschwindigkeit als Signum der modernen Zeit zu liefern - der Tempogegenstoß als Habitus der Wettbewerbsgesellschaft. Schabelon zeigt, wie die Besitzer der Clubs, denen wiederum auch die Liga und die NBA gehören, ein konsequentes betriebswirtschaftliches Management der gesamten Sportart aufziehen - eine regulierte Marktwirtschaft, die strikt an höchster Rendite orientiert ist. Durch Höchstgrenzen der Spielergehälter und gezielte Zuweisung neuer Profispieler innerhalb der Liga soll sichergestellt werden, dass alle Clubs mehr oder weniger gleich spielstark bleiben, um somit immer wieder einen offenen und für die Zuschauer attraktiven Wettbewerb zu gewährleisten. Am Ende steht das "Modell für eine perfekt funktionierende Sportmaschinerie", in der Sport, Entertainment, Medien und Business zu einem einzigen gesellschaftlichen Handlungsbereich verschmolzen sind. Am Ende steht aber auch das nüchterne Fazit: "Der Sport hat seine Selbständigkeit an das Medium verloren". Die Zunft der Sportjournalisten wird kritisiert, weil die meisten von ihnen als Gefangene der vertraglichen Bindungen ihrer Sender den Sport als eingekaufte und wieder zu verkaufende Ware feilbieten müssten und nur noch zu dramatisieren und zu glorifizieren wüssten. Wie die meisten anderen Elemente der Untersuchung kann dies auch als Beschreibung künftiger (oder schon gegenwärtiger?) Zustände in anderen (sprich: unseren) Teilen der Welt gelesen werden Die Zeichen der Stagnation sind nicht zu übersehen. Schabelon beschreibt deshalb auch die Versuche der NBA, durch den Aufbau eines eigenen TV-Networks und Internet-Dienstes der fortschreitenden Fragmentierung des US-Fernsehmarktes entgegenzuwirken und eigene Nischen zu suchen. Als weitere Befreiungsstrategie wird Internationalisierung bzw. Globalisierung angestrebt: Auf Initiative, mit Investitionen und in der erprobten Regie des straffen Verbundsystems werden Mannschaften und Ligen in anderen Ländern und Kulturen von der NBA aufgebaut und kontrolliert - ein weiteres dynamisches Element in der globalization of American culture, wie sie von etlichen Kulturwissenschaftlern und Politikern in aller Welt beschrieben und befürchtet wird. Diese Studie folgt medien- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven. Ihr Verfasser erliegt nicht der Versuchung, sich kulturkritische Polemiken oder zynische Kommentare zu leihen. Er zeigt feines Gespür für die soziologische Ambivalenz der industriegesellschaftlichen Moderne zwischen Disziplin und Anarchie. Im Sport als Spiel wird die Unberechenbarkeit inszeniert, während gleichzeitig in Regelwerk und Übertragungstechnik die berechenbare Eindeutigkeit einer Tausendstelsekunde gesucht wird. Profisportler lassen sich zu asketischer Freudlosigkeit trimmen, um "Leistung zu bringen" und ökonomischen Erfolg zu haben. Und dann geht Michael Jordan zum Korb... Siegen, im Dezember 2004 Gerhard Hufnagel Vorwort Diese Arbeit wurde im Februar 2004 vom Prüfungsausschuss des integrierten Diplomstudienganges Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung am Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften an der Universität Siegen als Diplomarbeit angenommen. Mein besonderer Dank gilt dem Betreuer der Arbeit, Herrn Professor Dr. Gerhard Hufnagel, für viele angenehm-intensive und fast ebenso viele angenehm-ausschweifende Gespräche außerhalb der Sprechstunden, seine fachliche Unterstützung, die Bereitschaft und das Interesse, sich auf diese interdisziplinäre Arbeit einzulassen, mich bei der Eingrenzung des Themas zu leiten und schließlich bei der Umsetzung der Arbeit zu fördern - und zu fordern. Mein Dank gilt auch der Zweitgutachterin, Frau Professorin Dr. Sigrid Baringhorst. Dank dafür, dass das Feld mit dieser sportlichen Saat bestellt werden konnte, gilt auch Herrn Dr. Gerd Hallenberger. Er hat mich durch zwei Diplomprüfungen begleitet. Die Abschlussarbeit war die größte Herausforderung meines Studiums. Ich war besonders motiviert, weil ich einen inneren Wunsch verwirklichen konnte: Bei der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas "Sport und Medien am Beispiel der NBA" konnte ich private Interessen, journalistische Arbeit und das im Studium erlernte, interdisziplinäre Wissen kombiniert anwenden. So ist, so meine Hoffnung, eine Arbeit entstanden, die den wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird und gleichzeitig angenehm lesenswert ist. Dass die Arbeit als Buch vorliegt, ist dem Engagement des Verlages Dr. H. H. Driesen und dort Herrn Albrecht Driesen zuzuschreiben. Bei ihm möchte ich mich an dieser Stelle ebenfalls bedanken. In einem ersten Gespräch, das einem Interview des Radiosenders SWR3 folgte, sagte Albrecht Driesen, dass das Thema möglicherweise eine gewisse Breitenwirkung entfalten könnte. Dies würde mich freuen. Ich denke, dass sich in diesem Buch NBA-Interessierte interessante Informationen finden, die über die Populär-Literatur hinausgehen und sowohl einordnende Hintergründe als auch Quellen zum Nachschlagen bieten. Bei meinen Recherchen bin ich, zumindest im deutschsprachigen Raum, auf nur sehr überschaubare Materialien gestoßen, die sich wissenschaftlich und unter einer ähnlichen Fragestellung mit der NBA auseinandersetzen. Dank gilt den engen Freunden und Bekannten, die mich bei der Erstellung der Arbeit in verschiedenster Weise unterstützt haben. Ein kleiner Dank gilt sicher auch meinem Ich, dass mir mit dieser Arbeit gezeigt hat, was ich leisten kann - "und ich nutzte den Tag und gegen Ende auch die Nächte". Der abschließende Dank ist meiner Familie vorbehalten: meiner Mutter Charlotte Schabelon, meinem Bruder Michael Schabelon und meinem Großvater Hans Wiesenäcker, für die stetige Unterstützung und Geduld während des Studiums und besonders in den Diplomarbeits-Monaten. Und meinem verstorbenen Vater Heinz Schabelon, der mich nur 20 Lebensjahre begleiten durfte, in diesen aber einen prägenden Einfluss hatte. Kreuztal, im Dezember 2004 Thorsten Schabelon Aus dem Inhalt Geleitwort Vorwort Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis 1 Einleitung 1.1 Warum die NBA? 1.2 Aufbau der Arbeit 2 Sport 2.1 Was ist Sport? Versuch einer Definition 2.2 Vom Sport zum Berufssport 2.3 Historische Entwicklung und Bedeutung des Sports 2.4 Sport für alle 2.5 Die sieben Kennzeichen des modernen Sports nach Guttmann 2.5.1 Säkularisierung 2.5.2 Chancengleichheit 2.5.3 Spezialisierung 2.5.4 Rationalisierung 2.5.5 Bürokratisierung 2.5.6 Quantifizierung 2.5.7 Rekorde 2.6 Faszination Sport: Warum lockt der Sport Zuschauer an? 2.6.1 Gesellschaftsimmanente Gründe fürs Zuschauen 2.6.2 Sportimmanente Gründe fürs Zuschauen 3 Sport und Medien - Medien und Sport: Mediensport 3.1 Der US-amerikanische Fernsehmarkt - Ein Einblick 3.1.1 Network-TV und Affiliates 3.1.2 Kabelfernsehen und Satellitenfernsehen 3.1.3 Das Programm 3.1.4 Technische Entwicklungsperspektiven - Digitalisierung 3.2 Eine lukrative Beziehung: Sport und Fernsehen 3.2.1 Die historische Entwicklung einer Partnerschaft 3.3 Wechselwirkungen Sport und Fernsehen 3.3.1 Der Sport - für das Fernsehen 3.3.2 "I love this game" - Mediensport Basketball 3.3.3 Das Fernsehen - für den Sport 3.4 Funktionalisierung - Mediatisierung: Sport wird Mediensport 4 Der US-Sport 4.1 Gesellschaftliche Bedeutung des Sports 4.2 Die historische Entwicklung des US-Sports: Ein Abriss 4.3 Kommerzialisierung und Corporate Sports 4.4 Die vier Major Leagues 4.5 Market-Driven-Modell und Equalisation-Modell 4.6 Regulierende Mechanismen für eine Competetive Balance 4.6.1 Spielerallokation - Draft und Spielerbindung 4.6.2 Spielergehälter - Salary Cap 4.6.3 Erlöse aus Senderechten - Zentralvermarktung 4.7 Aktuelle Entwicklungen in den Major Sports 5 Die NBA 5.1 Struktur und Organisation der Liga 5.2 Historische Entwicklungen - Historische Eingriffe 5.2.1 Von Basketball zum Profibasketball 5.2.2 Die Gründung der NBA 5.2.3 Die 24-Second-Shot-Clock - und weitere Entwicklungen 5.2.4 Erfolg sorgt für Konkurrenz: Die ABA tritt an 5.2.5 Drei Stars und ein Stern kommen in die NBA 5.2.6 Die späten 1990er Jahre und die Gegenwart 5.3 Ausgewählte Struktur-Aspekte der NBA 5.3.1 Die NBA und ihr Medienangebot: Von NBAtv bis NBA.com 5.3.2 Regulative der Parität: Salary Cap und Draft 5.3.3 Expansion für die Zukunft: WNBA, NBDL und Going Abroad 6 Zusammenfassung 7 Ausblick Literaturverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Warum die NBA? Als der nordamerikanische Basketballverband "USA Basketball" 1992 erstmals eine Mannschaft zu den Olympischen Spielen nach Barcelona schickte, die, bis auf eine Ausnahme, ausschließlich mit Stars der Profi-Basketballliga National Basketball Association (NBA) besetzt war, war das nicht der erste, aber der bis dahin erfolgreichste Schritt, mit dem der US-Sport aus seiner unilateralen "splendid isolation"1 trat. Mit dem so genannten Dream Team war es einem der vier Major Sports2 gelungen, durch die weltweite TV-Übertragung der Olympischen Spiele ein riesiges Zuschauerpotenzial außerhalb seines Heimatmarktes zu erreichen und dieses mit gelungenen sportlichen Darbietungen zu unterhalten. Die bis dahin bestehende Trennung zwischen Profisport-Strukturen und Profisport-Systemen in den USA respektive im Rest der Welt war erfolgreich aufgebrochen worden. Ein wesentlicher Faktor, dem vielleicht das konstitutive Element zugesprochen werden kann, waren die Medien und in diesem Fall das Leitmedium Fernsehen. Die für ihr Land spielenden Basketballer der NBA hatten es als erste Athleten des bis dahin hegemonial agierenden US-Sports geschafft, im Ausland, statt wie bisher in Spartensendern, über die dem Großteil der Zuschauer zugänglichen, frei empfangbaren Fernsehsender ausgestrahlt zu werden. Damit war die Liga einem ihrer wichtigsten Ziele einen weiteren und wesentlichen Schritt näher gekommen: "den Basketballsport zu der weltweit beliebtesten Sportart zu machen."3 Die in dieser Arbeit zu untersuchende enge Verbindung zwischen Sport und Medien besteht seit Jahrhunderten. Die ersten Zeitungen nahmen Ergebnisse von Sportveranstaltungen auf, das Radio berichtete in seinen ersten Übertragungen live von Boxkämpfen. Das Fernsehen zeigte, kaum dass es Mitte der 1930er Jahre auf Sendung gegangen war, erst schwarz-weiße und später dann farbige Bilder von Sportveranstaltungen. Zu diesem Zeitpunkt war der Sport längst keine Leibesübung mehr, die als abwechslungsreicher Zeitvertreib der Volksgesundheit und dem Lustgewinn der Aktiven diente. Sport lockte nicht mehr nur Teilnehmer, sondern auch Zuschauer an, die bereit waren, Eintrittsgelder zu bezahlen, um Leistungen zu sehen, die sie selbst nicht erbringen konnten. Sport bot Ablenkung, unterhielt, faszinierte, begeisterte, polarisierte. Sport war zu einem dominierenden Phänomen der Alltagskultur geworden, zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der starke Vernetzungen mit anderen Gesellschaftsbereichen aufweist. Von der Popularität des Sports konnte das neue Medium Fernsehen nur profitieren. Schnell hatten die Senderverantwortlichen das Interesse ihrer Zuschauer an der breit und fest in der Gesellschaft verwurzelten Programmware Sport entdeckt, die sich zudem kostengünstig produzieren ließ. So entstand die bis heute existente, symbiotische Beziehung zwischen Fernsehen und Sport. Sport-Übertragungen garantieren hohe Einschaltquoten und damit bestandserhaltende Werbeeinnahmen für das kommerzielle Fernsehen. Sport ist außerdem imagefördernd und baut beim Zuschauer Bindung zum Sender auf. Mit den Einnahmen aus dem Rechteverkauf war es auf der anderen Seite dem Sport möglich, seine Strukturen stetig zu professionalisieren, den aufwendigen Ligabetrieb zu finanzieren und den Zuschauern ein hochwertiges Produkt bieten zu können. Aus der sprichwörtlich schönsten Nebensache der Welt ist so längst eine schöne Hauptsache als ökonomische Veranstaltung geworden. Eine nachvollziehbare Entwicklung hat der Forschungsgegenstand dieser Arbeit, die NBA, genommen. Innerhalb der vier großen nordamerikanischen Mannschaftssportarten mit den Profiligen NBA, National Football League (NFL), Major League Baseball (MLB) und National Hockey League (NHL), die in der sportverrückten US-Gesellschaft4 eine bedeutende Rolle einnehmen, hat die NBA, respektive der Basketball, die kürzeste Geschichte und durchlief dabei gleichzeitig die schnellste Entwicklung. Die Sportart "[...] [die] keine europäische Herkunft verbergen musste"5, ist die einzige unter den vier Major Sports, die ihre Wurzeln in den USA hat und hier erstmals an einem genau bestimmbaren Tag, dem 21.12.1891, gespielt wurde: mit einem Fußball auf Pfirsichkörbe. In den folgenden 100 Jahren, bis die NBA-Profis dann bei den Olympischen Spielen in Barcelona antraten, hat sich der Basketball von seiner ursprünglichen Form aus weiterentwickelt und ist für Spieler und Zuschauer attraktiver geworden. Basketball wird in den USA von 40 Millionen Menschen gespielt6 und ist hinter dem Fußball weltweit Sportart Nummer 2. Der NBA-Basketball ist heute internationaler denn je, er wird in 212 Länder7 übertragen und trägt damit seinen Teil zur Globalisierung bei. Deshalb soll der Einfluss des Fernsehens, das die Sportart Mitte der 1960er Jahre für sich entdeckt hatte, besondere Beachtung und Betrachtung in der Darstellung der Entwicklung finden. Die Liga hat sich seit ihrer Gründung 1949 zu einem "Modell für eine perfekt funktionierende, globale Sport-Maschinerie [entwickelt]. Basketball, Entertainment und Business sind zu einer Einheit verschmolzen."8 Der Basketball wurde von der NBA entertainisiert und in seiner ökonomischen Verwertbarkeit optimiert. Aus dem einfachen Spiel ist eine Show geworden. Deren letzter Höhepunkt war das NBA-All-Star-Game 20039, das mit einer Milliarde Zuschauern weltweit10 einen Rekord verzeichnete. In Atlanta verabschiedete sich, wie vorher angekündigt, Michael Jordan zum dritten und wahrscheinlich letzten Mal aus der NBA. In dieser Arbeit soll beispielhaft untersucht werden, mit welchen Mechanismen die heute als Teil der Unterhaltungsindustrie jährlich Milliarden Dollar umsetzende Profiliga NBA das einfache Pfirsichkorb-Ballspiel Basketball, das Dr. James Naismith 1891 entwickelt hatte, zu einem profitablen Unterhaltungsprodukt geformt hat. Außerdem soll dargestellt werden, welche internationalen Perspektiven sich für die mit ökonomischem Sendungsbewusstsein ausgestattete Ligabetrieb bieten. Der Expansionsbedarf liegt nah: Auf ihren Heimatmärkten hat die NBA die kommerziellen Grenzen erreicht und die Erlöse weitgehend erschlossen, wobei neue medientechnische Entwicklungen inzwischen auch wieder in den USA Perspektiven eröffnet haben. Aufbau der Arbeit Der Sport hat sowohl als aktive Form der Leibesübungen als auch als passiver Zuschauersport eine lange Geschichte. Entscheidende Entwicklungen in dieser Geschichte, die in den modernen Sport mit den sieben Merkmalen nach Guttman gemündet ist, sollen dargestellt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Suche nach einer Art Quellcode des Sports, aus dem sich die anziehende Wirkung auf die Zuschauer begründet. Worin ist die unterhaltende Faszination begründet, die die schönste Nebensache der Welt auf ihre Betrachter ausübt? Da das hohe Zuschauerinteresse Medieninteresse generiert, folgt eine Darstellung des rein kommerziellen, nordamerikanischen Fernsehmarktes. Dieser ist als hochgradig werbefinanzierter Rundfunk auf Zuschauer und Einschaltquoten angewiesen. Darin begründet sich sein Interesse an Übertragungsrechten von Sportereignissen. Wie sich die für beide Seiten lukrative Geschäftsbeziehung entwickelt hat, welche Abhängigkeiten und Nutzenverhältnisse dabei entstanden sind und welche Folgen eine mögliche Funktionalisierung des Sports im Sinne der TV-Sender hat, soll im folgenden Gliederungspunkt untersucht werden. Anschließend werden die wesentlichen Aspekte aus der Ligaorganisation und der Ligastruktur der vier Major Sports dargestellt sowie deren Einbindung in das gesellschaftliche System der USA. Mit welchen, unterschiedlich ausgeprägten, Regulierungsmechanismen die vier Major Leagues bemüht sind, die Entwicklungen ihres Ligabetriebs dahingehend zu beeinflussen, dass ein für die Zuschauer möglichst attraktiver sportlicher Wettbewerb zwischen den Klubs entsteht, soll herausgearbeitet werden. Aus Gründen des Umfangs der Arbeit muss an dieser Stelle auf die Darstellung der ebenfalls bedeutenden und einflussreichen Sportartikelindustrie verzichtet werden. Am Beispiel der NBA soll dann schließlich die erfolgreiche Entwicklung einer Profiliga im Geflecht aus Sport und Medien nachgezeichnet und untersucht werden. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der historischen Entwicklung der NBA liegen und welchen - begleitenden oder steuernden - Einfluss das Fernsehen in dieser Entwicklung hatte. Ein zweiter Schwerpunkt stellt die regulierenden Eingriffsmöglichkeiten der Liga in den freien Markt dar. Mit diesen bemüht sich die NBA, wirtschaftliche Parität, sportliche Ausgeglichenheit sowie Planungssicherheit für ihre Klubs herzustellen. Rivalität und Konkurrenz sollen in einem spannenden und sehenswerten, sportlichen Wettbewerb auf dem Spielfeld ausgetragen werden. Weitergehende Darstellungen, beispielsweise die inflationär inszenierte Unterhaltung rund um ein NBA-Spiel oder die umfangreichen ehrenamtlichen Aktivitäten der Klubs in ihrer jeweiligen Community würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Eine überschaubare Zusammenfassung ordnet die Ergebnisse in den Gesamtkomplex Sport und Medien ein. Abschließend werden in einem Ausblick künftige Entwicklungen und die damit verbundenen Perspektiven und Folgen für die NBA, den US-Sport und auch die Sportsysteme außerhalb der USA dargestellt. Denn dem amerikanischen Major Sports kann eine Vorbildfunktion "hinsichtlich seiner Professionalisierung, Ökonomisierung und Mediatisierung [..]als Seismograph für die weltweite Entwicklung der Sportkultur"11 zugestanden werden. Literatur Bücher Adelmann, Ralf; Stauff, Markus (2002): "Sportspiel und Fernsehspiel. Ein medienwissenschaftlicher Kommentar". In: Schwier, Jürgen (Hrsg.): Mediensport. Ein einführendes Handbuch. Schneider Verlag: Hohengehren, S. 51-72. Alkemeyer, Thomas (1995): "Sport, die Sorge um den Körper und die Suche nach Erlebnissen im Kontext gesellschaftlicher Modernisierung". In: Hinsching, Jochen; Borkenhagen, Frederik (Hrsg.): Modernisierung und Sport. 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